Daily Briefing · Dienstag, 01.09.2026
Der September beginnt mit einem globalen Anleiheausverkauf: Japans Zehnjährige erreicht erstmals seit 1996 die 3 Prozent.
Termine
- Di16:00JOLTS Juli, ISM Industrie August
- Fed: Barr
- G20 zweiter Tag
- Berichte: Dell, Palo Alto; Mittwoch Broadcom
- Fr14:30Arbeitsmarktbericht
Was den Markt heute bewegt
ANLEIHENDer Ausverkauf erfasst alle großen Märkte gleichzeitig.
Die US-Zehnjährige stieg auf 4,79 Prozent und damit den höchsten Stand seit Januar 2025, die Dreißigjährige liegt bei 5,27 und damit nur 6 Basispunkte unter dem Niveau vor der Treasury-Intervention. Japans Zehnjährige erreichte 3 Prozent zum ersten Mal seit 1996, die Zweijährige ein 31-Jahres-Hoch. Die britische Zehnjährige stieg auf 5,23 Prozent, den höchsten Stand seit 2008, die deutsche auf 3,35, die höchste seit 2011, die französische auf 4,21. Der Bloomberg-Index globaler Staatsanleihen rentiert bei 3,72 Prozent und damit so hoch wie zuletzt Mitte 2008.
URSACHENDrei Kräfte wirken gleichzeitig.
Erstens die Energiepreise: Brent stieg 2 Prozent auf über 92 USD nach dem Schlagabtausch zwischen den USA und Iran, europäisches Gas notiert auf dem höchsten Stand seit März. Zweitens die Zinserwartung: Nach Warshs Rede preisen die Terminmärkte rund 70 Prozent für eine Anhebung im September, auch BoJ und EZB dürften diesen Monat anheben; die Inflation im Euroraum stieg im August über 3 Prozent. Drittens das Angebot: Die US-Verschuldung liegt über 40 Bio. USD, dazu kommt die Emissionswelle der Tech-Konzerne zur Finanzierung des KI-Ausbaus. Société Générale merkt an, die Eskalation habe die durch Warsh gewonnene Stabilisierung am langen Ende wieder zunichte gemacht.
JAPANDer Anker des globalen Rentenmarkts löst sich.
Fünfjährige JGB-Renditen erreichten mit 2,26 Prozent einen Rekordwert. TD Securities spricht von einem echten Regimewechsel: Japanische Anleihen waren lange der Anker für globale Duration, das habe sich gedreht. Australische Zehnjahresrenditen verzeichneten den stärksten Anstieg seit fünf Monaten, teils aus Sorge vor weniger japanischen Käufern. Der schwächere Yen verstärkt die Rufe nach einer BoJ-Anhebung in diesem Monat.
BEWERTUNGBessent widerspricht, Analysten nicht.
Der Finanzminister nannte den US-Anleihemarkt am Rande des G20-Treffens den weltbest performenden und verwies auf die von Fitch bestätigte AA+-Note; höhere Renditen spiegelten Vertrauen in die Wirtschaft, der Energieeffekt werde verblassen. Standard Chartered hält dagegen, best performing sei nicht dasselbe wie gut performend, jeder habe ein Defizitproblem. Laut Bloomberg schloss die Dreißigjährige in diesem Jahr an 55 Tagen über 5 Prozent, so oft wie zuletzt 2006.
MÄRKTETech trägt die Last des Zinsanstiegs.
Nasdaq-Futures lagen 0,9 bis 1,0 Prozent im Minus, S&P 0,47, Dow 0,4. Nvidia, Intel und AMD gaben vorbörslich zwischen 1,2 und 1,9 Prozent ab, während Energiewerte zulegten, Exxon 1 Prozent und Devon 1,3. Anthropic schloss einen Rechenkapazitätsvertrag über 35 Mrd. USD mit Lambda. Seit 1926 verliert der S&P im September durchschnittlich 0,7 Prozent und ist damit der einzige Monat mit negativer Durchschnittsrendite.
Bildungsinhalt — keine Anlageberatung, kein Handelsvorschlag.