Daily Briefing · Donnerstag, 29.10.2026

Cashflow entscheidet, nicht Umsatz.

Microsoft steigt auf starken Cashflow, Alphabet verliert über 400 Mrd. USD an Wert; dazu Lagardes vorzeitiger Abgang und PCE.

Termine

  • Do18:30BIP drittes Quartal, Kern-PCE September, Erstanträge
  • Do19:15EZB-Entscheid
  • Do19:45Pressekonferenz Lagarde
  • Do23:00Auktion siebenjähriger Anleihen
  • Don. SchlussAmazon
  • Don. SchlussIntel

Was den Markt heute bewegt

EARNINGSAlphabet verfehlt, Microsoft liefert.

Alphabet fiel vorbörslich 10,4 Prozent und steuert auf einen Verlust von über 400 Mrd. USD an Marktwert zu, nach verfehlten Erwartungen bei Gewinn und Umsatz, enttäuschenden Suchanzeigen und einem negativen freien Cashflow von 9,07 Mrd. USD; die Investitionsprognose bleibt bei 195 bis 205 Mrd. USD. Microsoft stieg 2,1 bis 2,6 Prozent nach starkem Cloud-Wachstum und einem deutlichen Cashflow-Überschuss, wobei der Capex unter der eigenen Prognose blieb. Check Capital formuliert den Wandel: Anleger prüften inzwischen Monetarisierungszeiträume gegen Ausgabenraten, und nicht jeder Hyperscaler bekomme noch einen Freibrief. Oracle legte zu, nachdem es für die kommenden drei Jahre eine schnelle Rückkehr zu positivem freien Cashflow in Aussicht stellte.

FEDHalten mit zwei Gegenstimmen.

Die Fed beließ den Zielkorridor bei 3,75 bis 4,00 Prozent und verwies darauf, dass die Inflation erhöht bleibe, man aber weitere Informationen abwarte. Warsh nannte die Finanzierungsbedingungen straffer werdend, aber keineswegs straff. Janus Henderson liest den Entscheid als Ausdruck von Geduld, nicht als Abkehr von der Straffungstendenz; die Tür für weitere Schritte bleibe offen. Die Terminmärkte preisen inzwischen über 81 Prozent für eine Anhebung im Dezember und einen weiteren Schritt bis Mitte 2027. Warsh kündigte zudem an, ab kommendem Jahr eine der acht Sitzungen und ab 2028 zwei für Grundsatzfragen zu reservieren, ohne Zinsentscheidungen.

EZBLagarde geht am 7. Februar.

Die EZB-Präsidentin tritt knapp neun Monate vor Ablauf ihrer Amtszeit zurück, nach sieben Jahren an der Spitze. Die Nachfolgesuche beginnt sofort; als Favoriten gelten der frühere niederländische Notenbankchef Klaas Knot und der frühere spanische Notenbankchef Pablo Hernández de Cos. Berenberg verweist darauf, dass der Nachfolger auch mit den wachsenden Spannungen am französischen Anleihemarkt umgehen können muss, und sieht Knot als früheren FSB-Vorsitzenden dort im Vorteil; die EZB habe aber weder Mandat noch Neigung, französische Haushaltspolitik zu finanzieren. Der Zinsentscheid heute um 14:15 MEZ dürfte ein Halten bringen, obwohl die Inflation im Euroraum im September ein Dreijahreshoch erreichte. Auch Lane und Schnabel scheiden im kommenden Jahr aus.

SOFTWAREEin zweiter Herd neben der KI-Debatte.

Fortinet brach 26,2 Prozent ein, ServiceNow 19,6 nach verfehlten Gewinnerwartungen; Zscaler und Salesforce gaben ebenfalls nach. Caterpillar verlor 9,7 Prozent, da der Umsatz im Baugeschäft leicht unter den Schätzungen lag, obwohl Umsatz und Gewinn insgesamt übertrafen. Marvell fiel 12,4 Prozent auf Berichte über fortgeschrittene Gespräche zum Kauf von Lumentum, dessen Aktie 4,8 Prozent zulegte. Eli Lilly stieg 3,9 Prozent, Chipotle 7, Carvana 7,5.

ENERGIEGas in Europa erstmals seit vier Jahren über 100 Euro.

Öl gab leicht nach auf Berichte über neue Vermittlungsbemühungen im Iran-Konflikt, bleibt aber nahe den jüngsten Höchstständen; WTI bei rund 101. Europa will laut französischen Angaben 42 Millionen Barrel aus Reserven freigeben. Die Bank of Canada hob erstmals seit drei Jahren an, der Gouverneur warnte zugleich vor untragbaren und teuren US-Defiziten.

MÄRKTEDie Erholung bricht ab.

Nasdaq-Futures minus 0,93 bis 1 Prozent, S&P 0,2, Dow nahezu unverändert. Nvidia gab rund 0,5 Prozent ab, AMD 2,5, Intel 3,5. Samsung enttäuschte und zögerte anders als SK Hynix bei Angaben zu Ausschüttungen. Reuters fasst die Saison zusammen: Cashflow ist wieder König, der Markt belohnt, wer seine KI-Ambitionen finanzieren kann, und bestraft, wer Geld verbrennt. DoorDash übernimmt Instacart für 17 Mrd. USD.

Bildungsinhalt: keine Anlageberatung, kein Handelsvorschlag.

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