Daily Briefing · Mittwoch, 04.11.2026
Die Demokraten holen beide Kammern.
Der Markt liest den Erdrutsch als Blockade, nicht als Politikwechsel. AMD liefert dazu die besten Zahlen der Chipsaison.
Termine
- Mi20:15ADP Beschäftigung, 68.000 erwartet
- Mi20:30Handelsbilanz
- Mi22:00ISM Dienstleistungen, 54,9
- Refinanzierungsplan des Finanzministeriums
- DoErstanträge
- FrArbeitsmarktbericht, 63.000 erwartet
Was den Markt heute bewegt
ZWISCHENWAHLENEin Erdrutsch in republikanischen Hochburgen.
Die Demokraten übernahmen Senat und Repräsentantenhaus, kippten mindestens sieben Senatssitze und über zwanzig Sitze im Repräsentantenhaus, darunter in Kentucky, New Jersey, North Carolina und Texas. Ausschlaggebend waren die Unzufriedenheit mit Trumps Wirtschaftspolitik und der Iran-Krieg, der die Benzinpreise nach oben trieb; Trump räumte ein, der Krieg habe eine Rolle bei der Niederlage gespielt, und erklärte, er werde das Ergebnis akzeptieren und mit dem Kongress arbeiten, wenn die Demokraten das wollten. Allianz Global Investors fasst die Marktlesart zusammen: Anleger könnten schließen, dass Washington strukturell gebremst bleibe und dramatische Verschiebungen im Wirtschaftsausblick unwahrscheinlich würden. Lombard Odier ergänzt, politische Blockade senke die Wahrscheinlichkeit einer weiteren fiskalischen Ausweitung, und die begleitend fallenden Renditen könnten Aktien stützen.
MÄRKTEDie Futures drehen von Verlusten ins Plus.
Dow-Futures plus 1,44 Prozent oder 748 Punkte, S&P plus 1,04, Nasdaq plus 0,93. Erst reagierten die Märkte negativ auf die Aussicht auf schärfere Aufsicht, dann übernahmen fallende Anleiherenditen und das Vertrauen in die Konjunktur. Amazon legte rund 3 Prozent zu, Meta, Nvidia und Alphabet je über 1. Tesla und SpaceX verloren dagegen über 4 Prozent, nachdem Musk den Wahlkampf der Republikaner in Texas massiv finanziert hatte. In Europa stieg der Stoxx 600 0,9 Prozent.
AMDWachstumsprognose über 80 Prozent für 2027.
Die Aktie sprang vorbörslich 6,3 bis 7,3 Prozent und steuert auf einen Zuwachs von rund 58 Mrd. USD an Marktwert zu; in diesem Jahr liegt sie 126 Prozent im Plus. Der Rechenzentrumsumsatz stieg im dritten Quartal um 97 Prozent auf 8,55 Mrd. USD gegenüber erwarteten 8,20. Vorstandschefin Lisa Su sieht Nachfrage im gesamten Rechenzentrumsgeschäft, bei CPUs wie bei KI. Die Bewertung liegt bei rund 31-fachen erwarteten Gewinnen gegenüber 14 bei Nvidia und 16,5 bei Broadcom. Super Micro prognostizierte ebenfalls über Erwartung und hob die Jahresprognose an. Micron, Broadcom und Marvell legten 1 bis 2 Prozent zu.
KI-REGULIERUNGDer Widerstand gegen Rechenzentren hat gewonnen.
Die Demokraten holten Zugewinne in zentralen Rechenzentrums-Bundesstaaten wie Texas und Georgia, wo der öffentliche Widerstand gegen den Ausbau zuletzt gewachsen war; in Texas wurde unter anderem für einen Baustopp bis zu schärferen Regeln geworben. Edmond de Rothschild erwartet, dass die Unsicherheit kurzfristig anhält, solange die Technologiekonzerne mit den neuen lokalen Behörden verhandeln. Entsprechend fielen IREN, Hut 8 und Applied Digital vorbörslich. Solarwerte gehörten zu den Gewinnern: First Solar plus 8,3 Prozent, Canadian Solar 8,9, SolarEdge 1,7. Meta nahm derweil 15 Mrd. USD über eine Anleihe auf.
DOLLAR UND GOLDDer Dollar verliert so stark wie seit zwei Monaten nicht.
Der Bloomberg-Dollarindex fiel 0,5 Prozent auf ein Monatstief, der Euro stieg 0,6 Prozent auf 1,1260, das Pfund ebenfalls 0,6. Gold legte 2,9 Prozent auf 4.041 USD zu, der stärkste Tagesgewinn seit dem 19. August; Silber plus 4,5 Prozent auf 52, Platin 3,1, Palladium 6,3. Capital Economics führt das auf Sorgen um den Haushalt zurück, sieht den Spielraum aber begrenzt, solange die Fed wegen der Inflation restriktiv bleibt. Credit Agricole nennt die Schwachstelle des Dollars: Seine Entwicklung hänge am KI-Boom, und eine blaue Welle, die den Ausbau bremse, belaste ihn.
ANLEIHENDie Renditen fallen auf die Aussicht auf Blockade.
Die Zehnjährige gab fünf Basispunkte auf 4,91 Prozent nach. Invesco: Eine demokratische Mehrheit erschwere der Regierung parteiische Gesetzgebung; weniger fiskalische Impulse bedeuteten weniger Aufwärtsdruck auf Wachstum, Inflation und Renditen. Entlastung erhoffen sich Anleger angesichts einer Schuldenlast von rund 40 Bio. USD. Die JOLTS-Zahlen zeigten einen deutlichen Anstieg der offenen Stellen im September, ein weiteres Zeichen für einen robusten Arbeitsmarkt, das die Erwartung einer weiteren Fed-Anhebung bis Jahresende stützt; die Terminmärkte preisen 82 Prozent für Dezember. Heute folgen die Details zum Refinanzierungsplan.
ÖLBrent fällt unter 103 USD.
Minus 1 Prozent auf 102,61 in einer volatilen Sitzung. Anleger warten auf Washingtons nächsten Schritt im Iran-Krieg nach dem Wahlausgang. Ein ranghoher iranischer Vertreter erklärte am Dienstag, ein Abkommen sei weit entfernt; Trump bekräftigte über Nacht, Iran dürfe keine Atomwaffe entwickeln, und schloss eine Wiederaufnahme der Kampfhandlungen nicht aus.
Bildungsinhalt: keine Anlageberatung, kein Handelsvorschlag.